Knielingen

von H.P. Henn (gekürzte Fassung)

veröffentlicht in der Chronik "1200 Jahre Knielingen 786-1986"

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Vorgeschichte---- Mittelalter---- Reformationszeit---- Neuzeit


Aus unserer Vorgeschichte

Unsere Urgeschichte ist vom Zauber des Geheimnisvollen geprägt. Da den Vorvätern die Schrift noch unbekannt war und mit der damaligen Kulturwelt im Süden noch keine Verbindung bestand, besitzen wir keine schriftlichen Zeugnisse aus jener Zeit. Erst durch die Ausgrabungen der Archäologen wurde festgestellt, daß die Gemarkung von Knielingen uraltes Siedlungsgelände ist. Viele Funde weisen auf die La-Tene-Periode hin.
In unserer Gegend wohnten also schon 400 vor Christus Menschen. Aus dieser Zeit fand man in einem Grab 1868 ein Eisenschwert. Auch Armreife und Bronzehalsringe entdeckte man. Aus weiteren 10 Skelettgräbern barg man reichen Bronzeschmuck. Es lassen sich also Bewohner in der Knielinger Gegend seit über 2000 Jahren nachweisen.

Knielingen im Mittelalter

Nach dem Zurückdrängen der Alemannen durch die Franken begann das Ringen des Christentums mit dem Heidentum. König Chlodwig hatte sich nach der Schlacht bei Zülpich mit vielen seiner Edlen taufen lassen. Dieses aufsehenerregende Ereignis zog bald die Tätigkeit christlicher Missionare nach sich. Die meisten von ihnen waren Engländer oder Iren. Von diesen ging später die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung aus. Viele Menschen schenkten damals Teile ihres Vermögens. oft ihr ganzes Eigentum, Boden, Vieh und auch Leibeigene einem Kloster. Damit gedachten sie sich ihr ewiges Seelenheil zu sichern.  Es ist urkundlich nachgewiesen. daß das Dorf Knielingen einmal zu den Einflußbereich des Königsklosters Lorsch bei Worms gehörte. In der Karolingerzeit gegründet, hatte es besondere Förderung durch Karl den Großen erfahren. ln dem Schenkungsbuch der Abtei, dem Lorscher Codex, ist aufgezeichnet, daß ein gewisser Hildefried aus "Cnutlinga" am 27.8.786 dem Kloster zwei Juchhart Ackerland ( = 40 Ar) einem Gelübde gemäß geschenkt hat. Diese Erwähnung ist der Grund für die 1200 Jahrfeier 1986.


Die nächsten Nachrichten stammen aus dem 12. Jahrhundert. Eine Speyerer Bischofsurkunde von 1103 meldet uns. daß Orte aus unserem Raum. darunter auch Teile von "Cnodelingen" Eigentum des pfälzischen Klosters Hördt waren. Wenige Jahre später zeigt uns ein Eintrag vom 16. August 1110, in dem das Kloster Gottesau von dem Salierkönig Heinrich V. bestätigt wird. daß zu dessen Besitz die Dörfer Beiertheim, Berghausen und auch "Gnudelingen" gehörten Dieser Eigentumsanspruch von Gottesaue in Knielingen bestand lange Zeit.

Als in der Mitte des 13. Jahrhunderts dem Kloster der päpstliche Schutz in zwei Verträgen gewährt wird, befinden sich in dem Besitzregister wiederum "die Höfe in dem Dorfe Cnudelingen mit allem Zubehör".  Wie sehr die leibeigenen Bauern beim Adel oft nur Handelsobjekt waren, zeigt die Tat des Markgrafen Hermann des Jungen (1283), der wegen Geldmangels seine Einkünfte aus Knielingen und Neureut kurzerhand an den Straßburger Peter von Schöneck verkaufte. Unter der Herrschaft Hermann IX. (1348-72) erlebte unser Dorf schwere Zeiten. Erdbeben, Heuschreckenplagen und der schwarze Tod verbreiteten Hungersnot und Elend im Lande.

Aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind uns vor allem kirchliche Urkunden bekannt. 1464 wird die erste Kirche im Ort erwähnt. Sechzehn Jahre später läßt Markgraf Christof 1. die Kirche bauen deren Chor und Turm heute noch stehen. Die Gemeinde konnte deshalb 1980 das 500jährige Baujubiläum feiern. 1488 werden zwei Kapellen erwähnt. eine zum Altar des Heiligen Sebastian und eine zum Heiligen Kreuz. Eine davon soll sich nach Angaben eines Denkmalpflegers in dem heutigen Besoldhaus (Saarlandstraße) befunden haben. Im gleichen Jahr bestätigt eine Akte die Zugehörigkeit der Pfarrei und der Frühmesse zum Kloster Heimbach.

Die Reformationszeit 

Viele der unter dem harten Druck der Leibeigenschaft und der Frondienste leidenden Bauern glaubten die neue Lehre des Reformators Martin Luther bedeute den Umsturz alles Bestehenden und somit das Ende ihrer Rechtlosigkeit. Durch die Erfolge des  Buntschuhs in anderen Gegenden ermutigt, verbreiteten die Bauern auch in unserem Raum in der Osterzeit 1525 den Aufruhr. Man zerstörte die Klöster Gottesaue. Frauen- und Herrenalb. Da sich der Zorn der plündernden Rotten nur gegen die geistlichen Herren und nicht gegen den Markgrafen richtete. gelang es diesem bald die Ordnung wieder herzustellen.

Ein Jahr später kaufte Markgraf Philipp 1. das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle.Im Jahre 1556 führte Karl II.. ein besonderer Wohltäter Knielingens in Baden-Durlach die Reformation ein. Er handelte dabei nach dem Gesetz: "Jedes Land muß die Konfession seines Herrn annehmen." (Eius regio cuius religio.) Er baute während seiner Regierungszeit (1552 bis l577) das Durlacher Schloß. Dem Bader hier gab er 1568 erneut die Badstube zum Lehen. In jener Zeit besaß unser Dorf auch den Blutbann. das heißt die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod. Die Gerichtsstätte befand sich auf dem Galgenbuckel. Im Jahre 1568 erscheint auch zum ersten Mal der Name Knielingen.

Der Übergang zur neueren Zeit

Beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges war Knielingen noch ein Fischer- und Bauerndorf. Hatten schon frühere Jahrhunderte manche Not über die Gemeinde gebracht, so mußte sie in den nächsten Jahrzehnten erneut viel Angst, Schrecken und Grausamkeit über sich ergehen lassen. Wiesen und Felder   Knielingen 1750   wurden verwüstet, die Vorräte geraubt, die Preise für Lebensmittel stiegen ins Unermeßliche, ganze Landstriche verödeten.  (1688 erklärte der Sonnenkönig der Kurpfalz den Krieg)

Die französischen Truppen unter ihrem General Melac hatten den Befehl alles zu zerstören. Die meisten Dörfer gingen in Flammen auf, unter Ihnen auch Knielingen. Auch feste Steingebäude wie das Rathaus und die Kirche brannten völlig aus. Die Überlebenden waren in die Rheinwälder geflohen und hausten noch nach ihrer Rückkehr jahrzehntelang bei bitterster Armut in Lehmhütten oder in den verkohlten Ruinen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann der allmähliche Wiederaufbau.
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